Dresden: Ministerium stoppt illegale Drewag-Aktion
› von Administrator • Montag, 01. März 2010 • Aufrufe 99 • Keine Kommentare
Haus-und-Grund-Chef Christian Rietschel zeigt den Brief, mit dem die Drewag die Kappung des Gasanschlusses ankündigte.Foto: Karl-Ludwig Oberthür
Vorbei an Recht und Gesetz wollte die Drewag Gasanschlüsse kappen. So sollten Hausbesitzer zwangsweise an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Der Grund: Die Stadtwerke haben das Problem, dass Leitungen beider Energieträger in der Neustadt, in Johannstadt, in der Friedrichstadt oder Striesen parallel liegen. Deshalb kritisierte das Wirtschaftsministerium das Unternehmen wegen mangelnde Effizienz seiner Leitungsnetze. Doch was die Drewag im vergangenen Jahr dann unternahm, war eine illegale Aktion, die das Ministerium jetzt stoppte.
Der Drewag-Fall
Schockiert war Alfred Köthe, als er im vergangenen Jahr einen Brief von der Drewag erhielt. „Darin wurde uns mitgeteilt, dass wir ab 31. Dezember 2010 kein Gas mehr beziehen können“, erläutert der 73-Jährige. Ihm gehört das Haus Lessingstraße11 in der Inneren Neustadt. In den vergangenen Jahren hat er alle Wohnungen mit Gasetagenheizungen ausgestattet. Dafür investierte der Eigentümer fast 100000Euro. „Überrascht waren wir auch, weil die Drewag erst 2007 die alte Gasleitung auf unserer Straße erneuert hat“, sagt Köthe. Doch nicht nur der Hauseigentümer erhielt Post von der Drewag, sondern auch die Mieter. Darin wird ihnen mitgeteilt, dass es Ende 2010 vorbei ist mit der Gaslieferung. „Sie werden daher ab dem 1.1.2011 unserem Netz kein Gas mehr entnehmen können“, heißt es in dem Brief. Solche Schreiben erhielten auch andere Hauseigentümer und Mieter in der Neustadt.
Der Kunden-Widerstand
Doch Alfred Köthe und andere Betroffene wehrten sich. Der Neustädter wandte sich an „Haus & Grund“ als Regionalverband privater Hauseigentümer. Zudem legten er und weitere Dresdner bei der Landesregulierungsbehörde des Wirtschaftsministeriums ihr Veto gegen das Vorgehen der Drewag ein.
„Zunehmende Wettbewerbsverzerrung“ moniert Haus-und-Grund-Geschäftsführer Christian Rietschel. Die Drewag versuche die Gasversorgung, bei der sie in Konkurrenz mit anderen Anbietern steht, einzustellen und stattdessen Fernwärme anzuschließen. Bei der hat die Drewag das Monopol.
Die Behörden-Entscheidung
Die Landesregulierungsbehörde leitete ein Verfahren gegen die Drewag ein. Dagegen wehrte sich die Drewag anfangs noch. Nach mehreren Gesprächen entschied kürzlich die Behörde, dass die Drewag-Aktion gegen das Energiewirtschaftsgesetz verstoßen hat.
Drewag-Netz-Chef Frank Otto räumt den Fehler unumwunden ein. „Das Anschreiben war nicht in Ordnung“, sagt er. Solche Briefe wird es nicht mehr geben, versichert der Geschäftsführer. „Wir werden keinen zum Fernwärmeanschluss zwingen.“ Allerdings verweist er darauf, dass sein Unternehmen weiter gezwungen ist, bei parallel liegenden Leitungen von Gas auf Fernwärme umzustellen, um die Effizienz zu erhöhen. Denn oft sind an Straßen nur noch wenige Häuser ans Gasnetz angeschlossen. Besonders vor Straßensanierungen würden deshalb Hauseigentümer angesprochen.
Die Ministerreaktion
„Mit diesem Bescheid herrscht in Sachsen Klarheit – ein solches Vorgehen ist schlicht gesetzeswidrig“, sagt Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP). Die Landesregulierungsbehörde habe verhindert, dass die Betroffenen gezwungenermaßen mit Fernwärme beliefert werden. „Im Gegensatz zum zunehmenden Wettbewerb in der Gasversorgung gibt es den bei der Fernwärme nicht“, sagt der Minister. „Marktwirtschaftlicher Wettbewerb ist und bleibt aber der beste Garant für faire Preise und Verbraucherfreundlichkeit.“
Von Peter Hilbert
Text: Administrator
Bild: SZ
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