Dresden: „Die ganze Stadt ist für Autodiebe ein Tatort“
› von Administrator • Mittwoch, 10. März 2010 • Aufrufe 99 • Keine Kommentare
Polizeipräsident Dieter Hanitsch will mehr gegen Autodiebe unternehmen. Foto: Steffen Füssel
Herr Hanitsch, die noch immer ansteigenden Autodiebstähle bleiben ein echtes Ärgernis in der Stadt. Ist jetzt endlich ein Höhepunkt in Sicht?
Es tut mir leid, aber ein Gipfel ist noch nicht erkennbar. Ja, wir haben mit 61 Prozent wieder einen deutlichen Anstieg. Aber wir haben schon vor über einem Jahr das Problem erkannt und Maßnahmen ergriffen. Wir hatten auch einige Erfolge, punktuell.
Die Diebe schreckt das offensichtlich nicht ab.
Nein, einen Durchbruch haben wir nicht erzielt. Wir sind auch nicht zufrieden. Die Täter sind gut organisiert. Einer sichert ab, der andere handelt – das ist Minutenarbeit, und dann sind die mit dem Fahrzeug weg. Es bleiben keine Spuren zurück. Das Problem an Dresden ist, dass es im gesamten Stadtgebiet keine Schwerpunktbereiche gibt. Die Tatorte sind überall.
Was macht die Polizei, und was kann sie noch unternehmen?
Wir sind schon seit Längerem verstärkt auf der Straße, machen Verkehrskontrollen und sind auch mit zivilen Kräften unterwegs. Anfang des Jahres haben wir besprochen, noch mehr Kräfte in Zivil einzusetzen. Ich möchte auch die Bereitschaftspolizei stärker in die Bekämpfung der Autokriminalität einbeziehen. Und wir müssen die Zusammenarbeit mit unseren tschechischen Kollegen weiter intensivieren. Die Ursache für diese Straftaten liegt nicht nur bei uns.
Kann die Bereitschaftspolizei überhaupt mehr tun – es gibt ja auch noch einige Großveranstaltungen?
Da wird sich eine Lösung finden. Aber es stimmt. Im Sommer ist die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, und da werden wir häufig Public Viewing absichern müssen. Danach ist noch die U20-WM der Frauen im Juli mit Dresden als einem von vier Austragungsorten.
Wie aufwendig sind Fußballspiele, vor allem bei Dynamo? Welchen Einfluss hat das neue Stadion auf die Polizeieinsätze?
Das neue Stadion wirkt sich positiv auf unsere Kräfteplanungen aus. Wir kommen meist mit weniger Beamten hin. Natürlich gilt das nicht für Brisanzspiele. Da müssen wir ran. Nach dem 13. Februar, der wieder eine weitere Zunahme an Aggressivität unter gegnerischen Demonstranten erfahren hat, bleibt die Absicherung von Fußballspielen eine wichtige Aufgabe.
Was kann man noch tun, um von solchen Großeinsätzen wegzukommen?
Hier ist nicht die Polizei alleine gefragt. Prävention ist eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft. Zum Beispiel gibt es im Kriminalpräventiven Rat der Stadt, in dem wir auch mitarbeiten, viele gute Initiativen. Da wurde einiges angeschoben, wie etwa der „bärenstarke August“. Die Erziehung muss aber schon im Elternhaus anfangen und sich in Schulen und Vereinen fortsetzen. Wenn Jugendliche straffällig wurden, haben wir bei uns das Interventions- und Präventionsprojekt (IPP) im Haus. Ein Brückenschlag – und schon kümmert sich die Jugendgerichtshilfe um die Jugendlichen. Das ist eine große Chance für sie, um sie vor einer kriminellen Karriere zu bewahren. Die harten Typen müssen wir aber mit anderen Mitteln verfolgen.
Um an Wochenenden mehr Beamte einsetzen zu können, wurde 2009 das Schichtmodell geändert. Hat sich das bewährt?
Wir hatten uns etwas Gutes ausgedacht, und ich finde, die Orientierung am Bedarf unserer Aufgaben hat sich bewährt. Am Wochenende sind nun nachts mehr Beamte auf der Straße. Wir haben es aber nicht geschafft, die Akzeptanz bei unseren Beschäftigten herzustellen. Es gibt Klagen wegen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf…
…Polizistenehepaare klagen, bei diesen Arbeitszeiten ihre Kinder nicht mehr betreuen zu können…
…ja das stimmt, die haben Probleme. Andere klagen über zu wenige freie Wochenenden, was ich aber nur bedingt nachvollziehen kann. Zurzeit überprüfen wir, was wir ändern können, um ein belastungsorientiertes und gleichzeitig familienfreundlicheres Modell zu schaffen. Ich kann ein gutes Modell nicht durchsetzen, wenn es nicht akzeptiert wird.
Zum Schluss noch eine Frage zum Abbau von Polizistenstellen. Wie stark ist Dresden betroffen?
Der Stellenabbau ist durch mich nicht zu beeinflussen. Da müssen Sie das Innenministerium fragen. Ich kann nur sagen, dass wir in Dresden die Sicherheit weiter gewährleisten werden. Aber die Belastungsgrenze ist erreicht. Wenn wir weitere Stellen verlieren, müssen wir unsere Aufgabenstellung kritisch überdenken.
Gespräch: Alexander Schneider
Text: Administrator
Bild: SZ
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